Wenn es gerade dringend ist: direkt zur Übung

Wenn Abgrenzung zur Mauer wird
Du hast gelernt Nein zu sagen, Prioritäten zu setzen, dich „gesund abzugrenzen“.
Und doch bleibst du innerlich unruhig, erschöpft oder leer.
Abgrenzung hilft nicht, wenn du dabei den Kontakt zu dir verlierst. Dann schützt du dich, aber du nährst dich nicht mehr.
Warum Abgrenzung allein nicht reicht
Distanz ohne Inneres Haltesein macht kalt
Grenzen sind sinnvoll. Aber ohne Selbstverbindung werden sie hart. Du ziehst Linien, spürst dich aber nicht, Ergebnis: Kälte statt Klarheit.
Angst vor Gefühlen als heimlicher Treiber
Oft grenzt du nicht nur andere aus, sondern unbewusst auch deine eigenen Gefühle. So wird’s still, aber nicht friedlich.
Kontrolle statt Kontakt
„Ich lasse nichts mehr an mich ran.“ Klingt stark, entzieht dir aber Leben. Kontakt ist riskant, ja. Aber ohne Kontakt keine Nahrung für die Seele.
Was du wirklich brauchst: Selbstverbindung
1) Grenzen von innen
Grenzen, die aus Körpergefühl kommen, sind weich und eindeutig. Du spürst: „Hier ist mein Ja, dort mein Nein.“ Kein Kampf nötig.
2) Mikromomente der Nähe zu dir
3x täglich 60–120 Sek.: Füße spüren, Hand aufs Herz, Atem zählen (ein 4, aus 6–8). Das kalibriert dein System.
3) Ehrliche Sprache
Statt „Ich hab keine Zeit“: „Ich brauche heute Ruhe.“ Das ist stimmig und fühlt sich warm an, für dich und andere.
Mini-Übung: 90 Sekunden Weich + Klar
- Check. Bin ich gerade zu starr/kühl oder zu überdreht/überrollend?
- Ausgleich. Ersteres: 20 Sek. bewegen/abschütteln. Zweites: 3 ruhige Atemzüge, Ausatmen länger.
- Satz. „Mein Ja ist … / Mein Nein ist …“, ein ehrlicher Satz reicht.
Beispiele aus dem Alltag
- Job: Statt alle Anfragen aufhalten, 2 Zeitfenster am Tag für Antworten. Dazwischen: Fokus + kurzer Körper-Check.
- Familie: „Ich bin da, und ich brauche 15 Minuten für mich. Danach ganz bei dir.“ Nähe und Grenze.
- Freundschaften: Sag, was dich nährt (Spaziergang, ehrliches Gespräch), statt pflichtschuldig zu „funktionieren“.
Wenn es gerade viel ist
Was hier steht, ersetzt keine ärztliche oder psychologische Beratung und keine Psychotherapie. Es ist Hilfe zur Selbsthilfe.
Bei anhaltenden oder starken seelischen oder körperlichen Beschwerden wende dich an eine Ärztin, einen Arzt oder eine psychologische Fachkraft.
- Telefonseelsorge, rund um die Uhr und kostenfrei: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
- Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen, rund um die Uhr: 116 016
- Hilfetelefon Gewalt an Männern, Mo bis Do 8 bis 20 Uhr, Fr bis 15 Uhr: 0800 123 99 00
- Weisser Ring: 116 006
- In einer Notlage: 110 oder 112
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